Musik / CD

Justin Timberlake: Man Of The WoodsEin Musik-Museum im Wald

Die Beziehung zwischen Star und Fan ist manchmal eigenartig. Je erfolgreicher ein Künstler, desto tiefere Einblicke in sein Innenleben erhoffen wir uns von seinem Schaffen. Gleichzeitig werden wir, also das Publikum, in seiner Welt zunehmend egaler. Wenn man auch die Möglichkeit hat, zu schauspielern, Mode zu designen oder bei Jimmy Fallon auf dem Sofa zu sitzen, wieso überhaupt noch im Studio einschließen und ein neues Album aufnehmen? Stagnation konnte man Justin Timberlake trotz alledem nie vorwerfen. Schon mit seinem Solo-Debüt ("Justified", 2002) musste er aus dem Schatten seiner Boyband-Vergangenheit treten. Seither hat er den Schalk im Nacken. Und obwohl er bislang kein wirklich herausragendes Album hervorgebracht hat, gelang es Timberlake paradoxerweise doch, seinem Publikum immer einen Schritt voraus zu sein. Diesem Muster folgt auch die neue Platte "Man Of The Woods", die dem Sound des R'n'B-Sängers Country- und Folk-Einflüsse hinzufügt.

Der zehnfache Grammy-Gewinner Timberland rundet seine Songs neuerdings also mit Akustikgitarren ab, auf "Midnight Summer Jam" sogar mit Geigen und Percussions. Zwischendurch tritt die Liebe für Soul und Funk der 70-er in den Vordergrund. "Americana mit 808s" nennt Timberlake seinen evolutionierten Stil selbst und kombiniert damit einen Sammelbegriff für folkloristische Spielarten der amerikanischen Rockmusik mit der Bezeichnung eines Drums-Synthesizers, der HipHop- und R'n'B-Produktionen seit den 80-ern stark prägt.

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Der Anspruch ist hier offensichtlich ein anderer als etwa auf dem Album "FutureSex/LoveSounds", mit dem Mr. Timberlakes Pop-Karriere 2006 einen ersten Zenit erreichte. Ging es damals noch um die Zukunft, darum, den Zeitgeist zu prägen und einen Schritt voraus zu sein, sind stattdessen nun Rückbesinnung und Bestandserhaltung angesagt. Der inzwischen 36-Jährige kuratiert mit Gaststars wie Timbaland, den Neptunes und Alicia Keys eine Ausstellung amerikanischer Musikgeschichte, allerdings ohne besonderes Augenmerk für bedrohte Arten.

Das führt auch dazu, dass die titelgebenden Wälder, die Timberlake bewandert, musikalisch wie textlich sehr zusammenfantasiert wirken. Zu verschieden sind die Einflüsse, zu märchenhaft ist die Sprache. Auf dem Weg zurück in die Zivilisation entstehen gute Songs, beispielsweise die geradlinigen Soul- und Funk-Nummern "Higher Higher" und "Morning Light". Abends am Kaminfeuer wird sich der Ausflug aber etwas unwirklich anfühlen, und am nächsten Morgen hat man ihn fast schon wieder vergessen.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelMan Of The Woods
Bandname/InterpretJustin Timberlake
Erhältlich ab02.02.2018
LabelRCA
VertriebSony
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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