Dienstag, 18.09.2018
19:31 Uhr


Musik / CD

Editors: ViolenceGroße Pop-Hymnen für die Dusche

In der offensichtlichen Tradition von Joy Division und New Order zu stehen, ist für britische Indie-Acts bis heute nichts Ungewöhnliches. Auf Dauer sind diese Bands dann aber meist auch nicht sehr spannend. Die Editors emanzipierten sich von diesen Wurzeln automatisch, indem sie zunehmend Stadion-Rock-Niveau erreichten. Das schlägt sich in der Regel eben nicht nur in den Verkaufszahlen, sondern auch in einem melodischeren Sound nieder. Die Joy-Division-Vergleiche haben nachgelassen, die Coldplay-Vergleiche nahmen zu. Die düsteren Texte und das wohlige 80er-Jahre-Feeling der Synthesizer blieben, die Gitarren verschwanden zunehmend hinter Elektro-Pop-Beats. Auf dem Cover des sechsten Albums "Violence" ist ein sechsbeiniges Biest aus den nackten Körpern dreier Menschen zu sehen. Ob das jetzt liebevoll oder gewaltsam, schön oder verstörend wirken soll, ist unklar. Zur bipolaren Musik der Band passt das wie die Faust aufs Auge.

Den größten Anteil daran, dass die Editors trotz Mainstream-Korruption interessant bleiben, hat die Stimme von Frontmann Tom Smith, zweifellos das Herzstück der Band und ihrer Musik. Zurückgenommene Produktionen wie den Opener "Cold" oder den Abschlusssong "Belong" trägt Smith mühelos und verwandelt sie in berührende Goth-Pop-Nummern. Dazwischen finden sich aber auch Titel mit Single-Potenzial wie "Hallelujah (So Low)", in denen die Welle aus Chören und Gitarren-Zerre, die hörbar synthetisch erzeugt ist, den charismatischen Sänger überschwemmt.

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Typisch für den immer weiter anschwellenden Pathos des Editors-Outputs ist auch die Ballade "No Sound But The Wind", die ursprünglich schon 2009 auf dem Soundtracks zum Twilight-Film "New Moon" erschien und nun ihren Weg auf einen Langspieler fand. Titel wie dieser tun der Gruppe und dem Album gut. Bands, die ewig im Post-Punk-Fahrwasser weiterschwimmen, werden im großen britischen Indie-See erfahrungsgemäß auch nicht zu herausstechenden Leuchtbojen.

Etwa ab der Hälfte der Spielzeit windet sich Smith mit so viel Hingabe und Freude an der Herausforderung um das große Melodie-Werk seiner Kollegen, dass man auch als Hörer engagiert mitfiebert. Manchmal wäre weniger hier auch mehr gewesen, und in vereinzelten Momenten wirkt "Violence" ein bisschen beliebig. Es ist trotzdem gut vorstellbar, dass sich demnächst manch einer unter der Dusche mit Tom Smiths hübscher Stimme im Ohr wiederfindet und irgendein "Ooo-Ooo-Oooh" zu summen beginnt.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelViolence
Bandname/InterpretEditors
Erhältlich ab09.03.2018
LabelPIAS
VertriebPIAS
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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