Dienstag, 18.09.2018
20:14 Uhr


Musik / CD

Olexesh: RolexeshGoldschmuck und Jogginghose

Wenn Rapper sich in der Szene etabliert haben und sich in einem festen Veröffentlichungszyklus einrichten, dann wird ihnen gerne mal der nötige Hunger auf mehr abgesprochen. Immerhin geben sich viele mit dem Aufwärmen des Gestrigen zufrieden und sind schon stolz, wenn hier und da noch mal nachgewürzt wird. Nicht so bei Olexesh, dem Protegé von Celo & Abdi. Der Mann mit ukrainischen und weißrussischen Wurzeln mischt auch auf "Rolexesh", seinem vierten Studioalbum in vier Jahren, wieder verschiedenste Zutaten, rührt einmal kräftig durch und schleckt dann gierig auch noch den letzten Tropfen vom Teller.

Dabei ist die Zeit, in der die umtriebigste Figur in der hiesigen Rap-Landschaft hungern musste, längst vorbei. "Jetzt ist die Rolex echt", lässt uns der 30-Jährige auf dem Titeltrack wissen und klingt dabei mehr als stolz auf das Ergebnis der letzten drei Jahrzehnte. Doch auch, wenn sie jetzt wahlweise aus Silber oder Gold ist, die Uhr am Handgelenk tickt immer noch eifrig, und deshalb klingt Olexesh eben auch keine Spur entspannter als zu Beginn seiner Rap-Karriere. Schon im Intro des Albums hadert er mit sich selbst, erinnert sich daran, dass jede Sekunde zählt und fragt sich, ob er den Ansprüchen gerecht werden kann.

Eine gute musikalische Grundlage bieten einige der heißesten und modernsten Produzenten, mit denen man aktuell zusammenarbeiten kann. Ob The Cratez, Sott oder die Drunken Masters: Es ist beeindruckend, was man aus so einem Viervierteltakt in Sachen Innovation immer noch herausschütteln kann. Mal wird auf ein Klanggerippe reduziert, so dass nur noch Bass, Drums und eine zaghafte Melodie den Song zusammenhalten ("MOB"), mal wird ein cineastisches Sample zeitgenössisch aufgeblasen ("Frisch aus dem Block"). "Rolexesh" bewegt sich in der absoluten Spitzenklasse deutscher Rap-Produktionen.

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Dazu trägt auch eine beeindruckende Feature-Liste landesweit bekannter Straßenrapper. bei Ob Capital Bra sich in Rage schreit, Ufo361 sich per Autotune in die Wolken verabschiedet, Azad einen grauen Film über die Blocks zieht oder Bonez MC aus Langeweile auf Straßenschilder schießt: "Rolexesh" ist auch ein großes Familientreffen, bei dem jeder kräftig zuschlägt, ohne dem anderen vom Teller zu nehmen.

Aber wo steht Olexesh selbst zwischen den erstklassigen Produzenten und einschüchternden Features? Er verharrt eingangs nur einen kleinen Moment in der Russenhocke, bevor er 16 Songs durchballert, als wäre er neu im Boxverein und müsse sich beweisen. Seine hektischen Flows werden immer präziser, seine Stimme ist nicht nur zum Informationstransport da, sondern passt sich dynamisch an verschiedendste Beats an, und spätestens bei den Refrains kann man nicht anders, als ordentlich aufzudrehen.

Im Gegensatz zum sehr introspektiven Vorgänger "Makadam" finden sich zwar kaum noch melancholische, persönliche Geschichten auf dem neusten Wurf, aber dafür kann man sich über die ganze Länge auf ein Energiebündel konzentrieren, das nach dem Schneeballprinzip zu einer riesigen geladenen Lawine wird, die vor nichts halt macht. Ob Olexesh den Ansprüchen gerecht werden kann, fragt er sich zu Beginn des Albums. Hat man den staunenden Mund nach dem ersten Eindruck wieder geschlossen, möchte man ihm beruhigend auf die Schultern klopfen. Jogginghose und Rolex passen längst zusammen.

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelRolexesh
Bandname/InterpretOlexesh
GenreRap
Erhältlich ab02.03.2018
Label385ideal
VertriebUniversal
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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