Anzeige
Warum immer noch keine Luftreiniger für bergische Schulen gekauft werden
© Miele
Teilen:

Warum immer noch keine Luftreiniger für bergische Schulen gekauft werden

Lehrergewerkschaft und Hausärzte im Bergischen warnen: Die nächste Welle kommt genauso sicher, wie der Herbst. Sie fordern, Luftreiniger für Schulen anzuschaffen. Doch das passiert kaum. Dafür gibt es Gründe.

Veröffentlicht: Montag, 28.06.2021 11:44

Anzeige

Radio Berg hat bereits darüber berichtet, dass Hausärzte und Lehrergewerkschaft im Bergischen fordern, Luftfilter für den Herbst anzuschaffen. Unsere Anfragen bei den Kommunen ergeben, dass das kaum passiert.

Wiederholt sich die Situation vom letzten Jahr? Da wurde Kritik laut, man habe den ganzen Sommer Zeit gehabt, sich vorzubereiten auf Präsenzunterricht, indem man zeitig Luftreiniger für den Herbst hätte anschaffen können. Auch in diesem Sommer laufen Anträge wie die der SPD in Kürten (für die Ratssitzung am 30. Juni) ins Leere. Die Kommunen wollen das Geld für die mobilen Luftreiniger sparen. Fördergelder gibt es nämlich nur dann, wenn Räume nicht zu lüften sind, zum Beispiel, weil die Fenster sich nicht öffnen lassen.

Anzeige

Wipperfürth erklärt's für alle

Anzeige

Die Stadt Wipperfürth macht in ihrer Antwort an Radio Berg das Problem greifbar:

Keines der zugelassenen Geräte produziert „frische Luft“ (Sauerstoff) und ersetzt das Lüften über Fenster. Dies kann nur eine raumluftunabhängige Lüftungsanlage, die es in der Regel nur in Versammlungsstätten gibt. Sämtliche Schulen in Wipperfürth sind weiterhin regelmäßig über die geöffneten Fenster zu lüften. Ein Gerät könnte nur flankierend dazu eingesetzt werden und würde nicht einmal das „hygienische“ Lüftungsintervall (ca. alle 26 Min) verlängern können, dafür aber zusätzlich für eine teilweise nicht unerhebliche Geräuschemission und (je nach Hersteller) für „Zugerscheinungen“ im Ansaugbereich sorgen. Gleichzeitig ist die Aerosolkonzentration in der unmittelbaren Umgebung des Gerätes höher. Weiterhin konnte laut allen Herstellern nicht auf das Tragen der Mund-/Nasebedeckung verzichtet werden. 

Kurz gesagt: Sie sind laut, teuer und ersetzen das Lüften nicht. Einige Kommunen setzen zum richtigen Lüften auf die sogenannten "CO2-Ampeln".

Nur Radevormwald meldet, Geräte jenseits der Förderung angeschafft zu haben:

Wir haben einige Klassenräume, die über keine ausreichende Belüftung über Fenster verfügen, ausgestattet, daneben Aulen und Mensen, um den Schülerinnen und Schülern auch hier ein sicheres Umfeld zu geben. Auch wenn es dazu keine Fördermittel teilweise gegeben hat. Die Sicherheit der Schüler lag uns am Herzen. Im Einklang mit der Politik des Rates der Stadt haben wir 27 Geräte für rd. 83.000 € für unsere Schulen beschafft, 2 weitere für eine Turnhalle wurden beschafft, da diese Schulsporthalle ebenfalls nicht ausreichend belüftet werden konnte ca. 8.000 €). An Fördermitteln sind uns insgesamt rd. 45.000 € vom Land zurückgeflossen.
Anzeige

Auch Umweltbundesamt kritisch

Anzeige

Eine Studie des Umweltbundesamtes sieht die Sache tatsächlich kritisch.

Mobile Luftreinigungsgeräte versprechen, virushaltige Partikel in Innenräumen zu reduzieren. Ob die Minderungen ausreichen, eine Infektionsgefahr in dicht belegten Klassenräumen abzuwenden, ist nach jetzigem Wissensstand unsicher. Da die Geräte weder CO2 noch Wasserdampf aus der Raumluft entfernen, empfiehlt das UBA weiter auch in der kalten Jahreszeit die Fensterlüftung als prioritäre Maßnahme.
Anzeige
Anzeige
Anzeige