Cooler Thriller mit Starbesetzung: «Crime 101»

Premiere von "Crime 101" in Los Angeles
© Richard Shotwell/Invision/AP/dpa

Neu im Kino

London (dpa) -    Actionfilme und sogenannte Heist-Thriller, in denen beharrliche Ermittler smarte Gangster jagen, waren jahrzehntelang Kassenschlager im Kino. Filme wie «Bullitt», «Die Thomas Crown Affäre», «Driver» oder «Heat» begeisterten mit komplexen Figuren, raffinierten Storys und oft mit rasanten Actionszenen. Nachdem es zuletzt rar war, bringt Regisseur Bart Layton das Genre mit seinem prominent besetzten Spielfilm «Crime 101» zurück auf die große Leinwand.

Chris Hemsworth kontaktierte Mark Ruffalo

Als Thor und Hulk standen Chris Hemsworth und Mark Ruffalo schon in «The Avengers» und mehreren anderen Filmen aus dem Marvel Cinematic Universe gemeinsam vor der Kamera. Dass jetzt beide in «Crime 101» mitspielen, ist kein Zufall. «Ich habe ihm eine Textnachricht geschickt», erzählt Hemsworth im Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in London. «Und ich habe direkt Ja gesagt», ergänzt Ruffalo. Beide sind sich einig, es gäbe solche Filme zu selten.

Neben Ruffalo sind in Halle Berry («X-Men») und Barry Keoghan («Eternals») zwei weitere Stars mit Marvel-Erfahrung dabei. Das allerdings ist Zufall. «Mir hat er keine Textnachricht geschickt», scherzt Berry. Wofür Hemsworth eine Erklärung hat: «Ich hatte deine Nummer nicht.»

Romanvorlage stammt von Bestseller-Autor

Bart Layton, der sich als Dokumentarfilmer einen Namen gemacht hat, entwickelte bereits als Kind ein Faible für Heist-Movies («heist» ist Englisch für «Raub»). «Mir wurde klar, dass es dieses ganze Genre von Filmen für Erwachsene gibt, die nicht nur spannend sind, sondern auch zum Nachdenken anregen», sagt der 51-Jährige, der auch das Drehbuch schrieb, im dpa-Interview.

«Crime 101» basiert auf dem gleichnamigen Roman des Bestseller-Autors Don Winslow. Im Zentrum der Handlung, die für die Verfilmung von San Diego nach Los Angeles verlegt wurde, steht der Einzelgänger Mike Davis (Hemsworth), ein meisterhafter Diamanten-Räuber, der bei seinen penibel geplanten Diebstählen keine Gewalt anwendet und kaum Spuren hinterlässt. Als er sich in Maya (Monica Barbaro) verliebt, die nichts von seinem Doppelleben ahnt, will er aussteigen. Zuvor plant er allerdings noch einen letzten großen Coup.

«Das Großartige am Heist-Movie-Genre ist, dass es einem strukturell eine hervorragende Erzählform bietet», sagt Layton. «Man weiß, dass am Ende des Films ein bestimmtes Ereignis stattfinden wird, und man fiebert hoffentlich mit und fragt sich, wie es dazu kommen wird. Das ermöglicht es einem, hoffentlich komplexere Figuren in einem vielschichtigeren Film mit tiefgründigeren Ideen zu entwickeln.»

Ein unbeirrbarer Polizist, eine frustrierte Versicherungsmaklerin

Detective Lou Lubesnick (Ruffalo) meint, in den Überfällen entlang des Highway 101 ein Muster zu erkennen, und ist besessen davon, den Räuber zu schnappen. Seine Ehe mit Angie (Minirolle für Jennifer Jason Leigh) ist am Ende. Seine Karriere stockt. Polizei-Kollegen, denen es wichtiger ist, einen schnellen Erfolg zu melden, als den wahren Täter zu fassen, wollen nicht an Lous Theorie von einer Serie eines einzigen Räubers glauben - denn schließlich gab es bereits eine Festnahme. Der Detective bleibt trotzdem hartnäckig.

Die frustrierte Versicherungsmaklerin Sharon Colvin (Berry) hofft seit Jahren vergeblich, Partnerin in ihrer Agentur zu werden. Immer wieder wird sie mit Sexismus konfrontiert und nun auch wegen ihres Alters diskriminiert.

Nachdem einer ihrer Klienten Opfer eines Diamantenraubs wurde, hat Detective Lubesnick ein paar Fragen an Sharon. Kurz darauf lernt sie scheinbar zufällig Mike Davis kennen, der alles über sie weiß und ihr ein unmoralisches Angebot macht.

Mike bekommt unterdessen Konkurrenz. Nachdem er einen geplanten Überfall als zu gefährlich abgelehnt hat, wird sein skrupelloser Auftraggeber Money (Hollywood-Hardliner Nick Nolte) ungehalten und schickt den jungen, unerfahrenen Gangster Ormon (grandios: Barry Keoghan) los.

Starke Performance aller Beteiligten

«Es geht um echte Charaktere», sagt Layton zutreffend. Zu den drei unterschiedlichen Protagonisten baut man als Zuschauer schnell eine Verbindung auf.

Chris Hemsworth überzeugt als stiller, beinahe schüchterner Einzelgänger mit geheimnisvoller Vergangenheit. Zwar weiß Mike viel über andere Menschen, aber im Privatleben – etwa beim ersten Date mit Maya – wirkt er fast überfordert. Hemsworth, der jenseits von «Thor» kaum als klassischer Leading Man in Hollywood-Blockbustern zu sehen war, empfiehlt sich für mehr.

Halle Berry hat einige der stärksten Szenen im Film, etwa als Sharon ihren Boss Mark (Paul Adelstein) zur Rede stellt. «Diese Szene war wirklich großartig», sagt die Oscar-Gewinnerin («Monster's Ball»). «Bart wollte, dass ich ein bestimmtes Gefühl rüberbringe.» Um eine echte Reaktion auszulösen, ließ sich Berry von dem, was Adelstein als Mark sagt, überraschen. Mit Erfolg. «Ich war wütend!»

Packende Actionszenen, Hemsworth am Steuer

Gelungen sind auch die packenden Actionszenen mit viel PS. «Man muss das Gefühl haben, man wäre mittendrin», sagt Regisseur Layton über sein Rezept. In vielen Szenen saß sein Star selbst am Steuer. «Wenn es so aussieht, als würde Chris Hemsworth mit 130 km/h durch die Innenstadt von L.A. fahren und dabei nur knapp andere Autos verfehlen – dann liegt es daran, dass es tatsächlich Chris Hemsworth ist.»

Das bestätigt Hemsworth selbst. «Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl, eine andere Rauheit und Echtheit auf der Leinwand, wenn es keine Spezialeffekte sind», sagt der 42-Jährige. «Wenn ich die Zähne zusammenbeiße und schwitze – dann passiert das wirklich.»

Bart Layton beweist mit «Crime 101» ein gutes Gespür für das Filmgenre, das ihm selbst so sehr am Herzen liegt. Das Ende ist nicht perfekt. Aber der hervorragend besetzte, coole Heist-Thriller ist durchweg spannend, sieht toll aus und bietet mehr als zwei Stunden beste Unterhaltung.

© dpa-infocom, dpa:260212-930-675833/1

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