Was der Österreich-Spritplan für Deutschland bedeuten könnte

Tanken
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Iran-Krieg

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung will laut Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nur noch eine Spritpreiserhöhung pro Tag erlauben. In Österreich ist das seit Jahren der Fall. Dort dürfen die Preise nur mittags um 12.00 Uhr erhöht werden. Sinken dürfen sie dagegen beliebig oft. Wie sind die Erfahrungen aus dem Nachbarland, was sagen Experten zum Vorschlag und ist er neu?

Ist die Idee in Deutschland neu?

Nein - schon im vergangenen November hat der Bundesrat die Bundesregierung aufgerufen, das österreichische Modell zu prüfen. Damals ging es allerdings vor allem darum, auf die häufigen Änderungen im Tagesverlauf zu reagieren. Im ersten Halbjahr 2025 hatte das Bundeskartellamt im Schnitt 22 Preisänderungen pro Tankstelle und Tag gezählt.

Wie sind die Erfahrungen in Österreich? 

Die Regelung habe sich als zweckmäßig und zufriedenstellend erwiesen, hieß es im Herbst aus dem österreichischen Wirtschaftsministerium. Sie schaffe Vertrauen beim Verbraucher, der jetzt genau wisse, «dass die Preise am Abend oder am Vormittag billiger sind als kurz nach Mittag». Das reduziere den Anreiz für Tankstellenbetreiber für dauernde Änderungen in beide Richtungen.

Die Regelung existiert in Österreich seit 2011. Ursprünglich war dabei der Zeitpunkt für die einmalige Preiserhöhung auf den Betriebsbeginn festgelegt worden. Das benachteiligte dem Ministerium zufolge allerdings Tankstellen, die an Pendlerstrecken stadteinwärts lagen - also zum Zeitpunkt der hohen Preise den meisten vorbeifahrenden Verkehr hatten. Um dies zu ändern, wurde der Zeitpunkt für Erhöhungen auf 12.00 Uhr geändert. 

Was sagen Experten?

Im Umfeld der Bundesratsinitiative im Herbst gab es auch kritische Stimmen. Kernpunkt war die Befürchtung, dass die Mineralölkonzerne ihre Preise bei der einen erlaubten Erhöhung auf Vorrat und damit besonders stark steigern könnten. 

Vor rund einem Jahr hatte sich auch das Bundeskartellamt in einer Sektoruntersuchung zum deutschen Kraftstoffmarkt zur Regelung in Österreich geäußert - allerdings ohne klare Tendenz. So gebe es zwar eine Studie, der zufolge das dortige Modell zu Preissenkungen geführt haben könnte. Andere kritischere Betrachtungen teilten aber die Sorge des ADAC, dass die Preise zu Beginn zu hoch angesetzt werden könnten. 

Zudem sahen Experten die Regelung, den Preissprung mittags anzusetzen kritisch. Aus ihr ergibt sich, dass Sprit oft kurz vor Mittag am billigsten wäre - zu einer Zeit in der viele Menschen nicht tanken können. In Deutschland ist normalerweise der Abend der günstigste Zeitpunkt, um zu tanken.

Ist Tanken in Österreich teurer oder billiger als in Deutschland?

Sprit ist in Österreich deutlich billiger. Nach Daten der EU-Kommission waren es - Stand Montag 2. März - bei Superbenzin der Sorte E5 run 37 Cent pro Liter, bei Diesel etwa 25 Cent. Diese Zahlen stammen allerdings noch aus einer Zeit, als die massiven Preissteigerungen durch den Iran-Krieg erst anfingen. Die Unterschiede zu Deutschland gehen normalerweise vor allem auf Unterschiede bei Steuern und Abgaben zurück.

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