Auswärtiges Amt geht bei Zugunglück von totem Deutschen aus

Zugunglück in Spanien
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Unfall in Spanien

Berlin/Adamuz/Barcelona (dpa) - Bei dem schweren Zugunglück in Südspanien gehen Behörden in Deutschland davon aus, dass auch ein Deutscher ums Leben gekommen ist. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es am Vormittag: «Zum aktuellen Zeitpunkt müssen wir leider davon ausgehen, dass sich eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit unter den Todesopfern befindet.»

Die Familienangehörigen werden den Angaben zufolge von Mitarbeitern des deutschen Konsulats in Málaga im Süden des Landes betreut. Weiter hieß es: «Über die genaue Anzahl der betroffenen deutschen Staatsangehörigen gibt es derzeit jedoch noch keine verlässlichen Angaben.»

Nach dem Zusammenstoß von zwei Hochgeschwindigkeitszügen am Sonntag nahe der Ortschaft Adamuz in der Provinz Córdoba wurden bislang 43 Leichen geborgen. Dutzende Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Nach dem Unglück galten zunächst 45 Menschen als vermisst. 

Am Mittwochabend wurden noch zwei als vermisst gemeldete Personen gesucht, die nicht unter den identifizierten Toten waren. Unter den 45 zunächst als vermisst gemeldeten Personen seien drei Ausländer, und zwar aus Deutschland, Marokko und Russland, teilten die Behörden am Morgen mit. 

Unglücksursache steht noch nicht fest

Die Identifizierung der Opfer gestaltete sich schwierig. Die Behörden hatten Familien deshalb unter anderem um DNA-Proben gebeten, um das Verfahren zu beschleunigen. Am späten Mittwochabend wurde mitgeteilt, 42 Todesopfer seien bereits identifiziert worden. Die Namen wurden zunächst aber nicht veröffentlicht. Die Familien sollten erst benachrichtigt werden.

Es war eines der schwersten Zugunglücke in der Geschichte des Landes. Die Ursache ist noch unklar. Nach jüngsten Angaben wird ein Gleisschaden oder ein Fehler an einem der Züge als Auslöser der Katastrophe nicht ausgeschlossen. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska schloss Sabotage aus.

Bahnverkehr in Katalonien weiter lahmgelegt

Nur zwei Tage nach dem Unglück von Adamuz war Spanien am Dienstagabend von einem zweiten tödlichen Unfall erschüttert worden. Ein Nahverkehrszug wurde im katalanischen Gelida westlich von Barcelona von einer Stützmauer getroffen, die während eines heftigen Sturmes auf die Gleise gestürzt war. Einer der Lokführer, ein 28-Jähriger, der noch in der Ausbildung war, kam dabei ums Leben. Dutzende Passagiere wurden verletzt, fünf davon schwer.

Der Betrieb in Katalonien war vom spanischen Schienennetzbetreiber Adif am Mittwoch vorläufig ausgesetzt worden, um die durch das Unwetter beschädigte Infrastruktur zu prüfen. Am Donnerstag sollte er wiederaufgenommen werden. Doch Medienberichten zufolge fuhren praktisch keine Züge. Die Lokführer der Region forderten Sicherheitsgarantien, teilte die spanische Bahngesellschaft Renfe, die die Züge von «Rodalyes de Catalunya» betreibt, mit.

Obwohl Ersatzbusse zur Verfügung gestellt wurden, herrschte in Katalonien Chaos, wie Medien berichteten. Es gebe lange Staus auf den Straßen und lange Schlangen in den Bahnhöfen. Die Lokführer seien verunsichert, räumte der spanische Verkehrsminister Óscar Puente ein. Man hoffe aber, im Laufe des Tages in Katalonien eine Einigung zu erzielen. Die Lokführer-Gewerkschaft kündigte derweil einen landesweiten Streik vom 9. bis 11. Februar an.

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