Herkenrather kämpft gegen gefälschtes Nazi-Lego

Wenn Adolf Hiltler als Legopüppchen getarnt ins Kinderzimmer marschiert, könnte das eine Szene aus einer ziemlich trashigen Comedy sein. Ist es aber leider nicht. Benjamin Stapf aus Bergisch Gladbach-Herkenrath hat auf Amazon zufällig ein Lego-Plagiat aus China entdeckt. Damit kann man den 2. Weltkrieg nachspielen, Hitler-Figürchen inklusive.

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Eigentlich wollte Benjamin bei Amazon nur eine Pistole mit Klebepfeilen für seine Kinder bestellen. Das Set wurde ihm von Amazon vorgeschlagen, als er nach der Pistole gesucht hat. Das Angebot löst bei Benjamin Entsetzen aus - er kann nicht fassen, dass man so etwas für knapp 28 Euro mit einem Klick kaufen kann:

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll und hab mir gedacht das darf nicht sein.

Und eben weil er sich nicht vorstellen konnte, dass das Figuren-Paket jemals ankommen wird, hat er auf kaufen gedrückt. Benjamin selbst hat mit rechtem Gedankengut nichts zu tun: Er setzt sich immer wieder dagegen ein. Zum Beispiel vermittelt er als Pädagoge zwischen unterschiedlichen Kulturen. Aber das Paket aus China kam tatsächlich an.

Amazon hat reagiert

Was jetzt mit den Figuren passiert steht schon fest: Benjamin wird sie zurückschicken. Vorher wollte er aber noch erreichen, dass niemand sonst das Zeug kaufen kann. Deshalb hat er Amazon mit seinem Kauf konfrontiert. Zuerst kam keine Reaktion, dann ist Benjamin mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen. Mittlerweile gibt es das Set nicht mehr bei Amazon zu kaufen.

Ich hab da tatsächlich zumindest ein bisschen was bewirken können und das macht mich stolz.

, sagt Benjamin. Das Unternehmen Lego distanziert sich klar von den Plagiaten aus China: Sie widersprechen den Werten des Unternehmens und man würde diese Produkte selbst niemals herstellen oder autorisieren.

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Hitler-Figur muss ins Gefängnis

Angst, dass er mit seinem Schritt in die Öffentlichkeit ungewollt Werbung in die falsche Richtung machen könnte, hat Benjamin nicht. Bisher hat sich noch niemand aus der rechten Ecke bei ihm gemeldet, der die Figuren haben möchte. Sollte das passieren, weiß er aber schon, wie er reagieren wird:

Ich würde es verpetzen. Wenn mir jemand schreiben würde, wo krieg ich das, das ist ja superschön, das würd ich auch öffentlich machen.

Eine Sache hat Benjamin allerdings unterschätzt: Sein sechsjähriger Sohn fand die HItler-Figur zuerst supercool und wollte sie in die Lego-Sammlung aufnehmen. Benjamin und seine Frau haben ihm daraufhin erklärt, wer das überhaupt ist. Jetzt sitzt das Adolf-Püppchen bis es zurückgeschickt wird im Lego-Gefängnis. Und wehe, die Figur ist nicht an ihrem Platz: Dann fragt sein Sohn direkt nach und sagt: Wo ist denn Adolf Hitler, der muss doch im Gefängnis sitzen?!

Das Statement von Lego im Wortlaut

Es ist die Mission der LEGO Gruppe, die „Baumeister von morgen“ durch kreatives Spielen und das damit verbundene Lernen zu inspirieren und zu fördern. Für uns steht neben grenzenlosen Spielspaß die Sicherheit sowie höchste Qualität jedes unserer produzierten LEGO Elemente immer an erster Stelle. Beim abgebildeten Produkt handelt es sich nicht um ein LEGO Produkt. Wir distanzieren uns in aller Form von derartigen Produkten und Produkt-Modifikationen, denn sie widersprechen den Werten der LEGO Gruppe. Die LEGO Gruppe würde diese Produkte selbst niemals herstellen oder autorisieren, noch können wir dies gutheißen.

Wir beobachten Hersteller von Plagiaten weltweit sehr genau und konzentrieren uns fortlaufend darauf, sicherzustellen, dass unsere Markenrechte und Patente sowie unser geistiges Eigentum nicht verletzt werden. Es ist unser höchstes Anliegen zu gewährleisten, dass unsere Kunden klar unterscheiden können, ob Sie ein hochwertiges LEGO Set oder ein anderes Produkt kaufen. Entsprechend ergreifen wir regelmäßig alle notwendigen Maßnahmen, um sicherzustellen, dass unsere Urheberrechte und – noch viel wichtiger – unsere Kunden geschützt sind.

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