Kindererziehung: Wann dürfen wir eingreifen?

Sich einmischen, auch mal was sagen, Zivilcourage zeigen! Das wünschen wir uns alle im Alltag, dass das Menschen machen. Aber: Man kann es auch übertreiben.

Wenn Eltern zum Beispiel mal kurz mit ihren Kindern etwas lauter werden auf dem Supermarktparkplatz, damit die nicht zwischen den Autos umher flitzen, muss man nicht gleich das Jugendamt rufen. Wenn die Hand ausrutscht, sollte man sich aber unbedingt einmischen.

Der Psychologe Jens Langer vom Bildungsinstitut Nestor rät: Wichtig ist es jeweils auf die Gesamtsituation zu achten - denn manchmal weiß man nicht, was im Vorfeld einer Situation passiert ist. Vielleicht reagieren Mutter oder Vater genervt und sauer, weil sie übermüdet sind oder das Kind bereits vorher für Ärger gesorgt hat.

Langers Tipp daher: nicht belehren und von oben herab fragen, wieso man das Kind schlecht behandelt, sondern die Eltern direkt ansprechen:

Das andere wird ja als Angriff gewertet. Wenn man hingeht und sagt: Ihr Kind müsste mal einen wärmeren Pullover anziehen oder bräuchte dies und jenes, dann sind das Ratschläge, die weh tun und da wird man immer Ablehnung ernten.

Daher: Lieber die Eltern fragen, ob man mit ihnen kurz reden darf und ein Nein akzeptieren!

 

Bei Sorgen um das Kindeswohl das Jugendamt benachrichtigen

Macht man sich jedoch akute Sorgen um das Kindeswohl, liegt die Sache anders. Dann kann man durchaus auch das Jugendamt informieren, sagt Langer. Aber auch da gilt: Lieber vorher mit den Eltern reden:

Wenn sie jetzt im Extremfall eine Mutter sehen, die jeden Tag mit der Bierflasche irgendwo sitzt, kann man mal ansprechen, dass Sie das häufiger beobachtet haben und fragen, ob Sie ihr da irgendwie helfen können, beziehungsweise, dass man sich Sorgen macht.

Das stoße dann natürlich nicht oft auf Gegenliebe, für das Kindeswohl sei Einschreiten hier aber wichtig, sagt Langer.

© Radio Berg

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