Pass op, Kall du, Kapaaf - Bergische Karnevalsschlachtrufe
Veröffentlicht: Mittwoch, 10.02.2021 12:58
Köln ruft "Alaaf", Düsseldorf "Helau" - so viel ist klar. Im Bergischen ist die Sache mit den jecken Schlachtrufen etwas komplizierter.

Klar, Alaaf ist überall erlaubt. Aber viele Orte haben ihre eigenen, ganz besonderen Rufe. Wieso und was dahinter steckt lest ihr hier.
"Bielstein Kapaaf"
Der Ausruf "Bielstein Kapaaf" kommt vom Bielsteiner Sportplatz. Dort feuerte ein gewisser Jupp Wendler die Spieler des BSV mit "Nun hau den Ball doch mal mit Kapaaf ins Tor" an. Die Mitglieder des KVB haben dies einfach von ihm übernommen.
"Eckenhagen Orjorjorjor"
Orjorjornänichnoch. So oder so ähnlich sagt der Oberberger manchmal ein bisschen verzweifelt. Bei der Gründung der KPG Eckenhagen war deshalb schnell klar, wie der Schlachtruf lautet: "Eckenhagen Orjorjorjor".
"Engelskirchen Kall Du!"
Fritz Lange war schon 1938 Karnevals-Prinz in Engelskirchen. In einer Sitzung war es nach seiner Rede so still, dass er zu seinem Präsidenten Hermann Meinerzhagen gesagt hat: "Kall Du". Kalle, im rheinischen also sprechen/reden. In Engelskirchen wurde es schnell zu einem geflügelten Wort.
"(Morsbach) Mueschbech deheem!"
Der "Mueschbecher" nennt seine Gemeinde selbst: die Republik. Es zeigt, wie heimatverbunden die Morsbacher sind. Und so ruft die KG Morsbach: "Mueschbech deheem", was so viel heißt wie "Morsbach zu Hause". Eingeführt hat den Ruf 1955 der damaligen Karnevals-Prinz Theo I.
"(Rade) Rua Kapaaf!"
Der Schlachtruf "Rua Kapaaf!" bezieht sich auf das Rader Vereinslied, dem "Rua Kapaaf-Lied" von Rudolph Schwanz aus den 60ern. Rade heißt auf Rader Platt "Rua". Kapaaf ist eine Persiflage auf Helau und Alaaf.
"(Ründeroth) Sirenen Alarm!"
Eigentlich rufen die Rüderother ja ganz klassisch "Rüderoth Alaaf", aber es gibt eine Ausnahme. Die Sirenen, das sind 11 Frauen aus dem Rüderother Karnevalsverein. Bei einem gemeinsamen Treffen bei einer der Damen bemerkte deren Sohn "Ihr seid ja lauter als die Sirenen der Feuerwehr!" Aus "Alaaf" wurde noch "Alarm" und der Spruch "Sirenen Alarm" war geboren.
"(Schönenbach) Schürmich Ruckzuck!"
"Alaaf" ist den Schönenbachern einfach zu lahm. Deswegen lautet der Schlachtruf des südlichsten Karnevalsvereins im Bergischen "Schürmich Ruckzuck!". Die Karnevalsfreunde Schönenbach sind halt zackig - sie haben den ersten Karnevalszug im Rheinland: er zieht traditionell zwei Wochen vor den tollen Tagen durch das Dorf.
"Waldbröl Pass op!"
Bis in die 50er haben die Waldbröler noch "Alaaf" gerufen. Auf einer Karnevalssitzung hat der damalige Bürgermeister den Waldbrölern zugerufen: "Waldbröler, passt auf!". Gemeint hat er damit die Zentralisierung der Behörden in die Kreisstadt Gummersbach. Der Spruch "Waldbröl Pass op!" wurde so zum neuen Schlachtruf.
"(Wildberg) Wieberch Hoiboi!"
In Wildberg gab es früher Bergbau. Deswegen heißt das karnevalistische Zentrum auch Glück Auf-Halle und das Dorf unterhalb von Wildberg Wildbergerhütte. Der Schlachtruf "Wieberch Hoiboi" hat auch etwas damit zu tun. Um 1900 gehörte die Erzgrube in Wildberg einer Aktiengesellschaft aus England. "Hoiboi" haben die englischen Grubenherren den Arbeitern zugerufen, um sie zu motivieren.
Was bedeutet eigentlich "Alaaf"?
"Alaaf" ist der Klassiker unter den Schlachtrufen im Karneval. In Köln, Dabringhausen oder Bergisch Gladbach. Übersetzt heißt Alaaf "über alles" und war im Ursprung ein Trinkspruch. Im 17. Jahrhundert brachte Fürst von Metternich zum ersten Mal Alaaf und Köln in einem Brief an den Kölner Kurfürsten zusammen. Seit 1823 ist es der Schlachtruf der Kölner, den viele Bergische Jecken übernommen haben - aber nicht alle!