Schockierend: Jugendliche verbreiten Kinderpornografie
Veröffentlicht: Dienstag, 22.03.2022 06:00
Am 22. März ist der Tag des Kriminalitäts-Opfers, Schwerpunkt in diesem Jahr: Verbreitung von Kinderpornografie unter Kindern und Jugendlichen. Es ist ein riesen Problem geworden: junge Menschen verbreiten immer öfter selbst kinderpornografische Bilder und Videos über Chatgruppen und im Internet.

Vielen ist nicht bewusst, dass es sich um eine Straftat handelt
Für die Polizei steht vor allem bei den Jugendlichen Tatverdächtigen die Prävention und die Sensibilisierung für das Thema im Vordergrund.
Jugendliche stellen in NRW mittlerweile 45 Prozent der Täter, was die Verbreitung dieses Materials angeht. Dabei wissen die meisten nicht einmal, dass sie allein durch die Verbreitung eine Straftat begehen. Bis zu zehn Jahre Haft kann es dafür geben.
Susanne Krämer arbeitet beim Opferschutz der Polizei im Rheinisch Bergischen Kreis. Wenn Eltern auf dem Handy ihres Kindes verdächtige Bilder und Videos finden, müssen sie sofort konsequent handeln und mit dem Kind reden, sagt sie:
Wenn Kinder oder Jugendliche verdächtige Bilder erhalten, z.B. über einen Chat: auf keinen Fall teilen oder weitersenden! Wichtig ist: innerhalb der Chatgruppe Ablehnung ausdrücken und deutlich machen, dass jedes versenden eine schwere Straftat ist.
Dann sollte der betroffene Chat sofort verlassen werden, das ist wichtig, damit die Polizei nachvollziehen kann, dass man mit den Inhalten nicht einverstanden ist.
Man sollte Datum, Uhrzeit und die Fundstelle notieren. Dann sollte man solche Bilder löschen, oder dass Gerät in den Flugmodus versetzen und sofort zur Polizei bringen.
Der Hintergrund
Nach den schrecklichen Vorkommnissen in Lügde wurde vielen besorgten Bürgern zum ersten Mal das gigantische Ausmaß versteckter Missbrauchstaten mitten in unserer Gesellschaft bewußt. Auch den Rheinisch-Bergischen Kreis traf es 2019, als die Stadt Bergisch Gladbach im Rahmen einer polizeilichen Festnahme wegen Kindesmissbrauchs und Verbreitung kinderpornografischer Bilder in die Schlagzeilen kam. Die Ermittlungen beschränken sich schon lange nicht mehr nur auf den Rheinisch-Bergischen Kreis, NRW oder Deutschland. Bald schon führten die Spuren bis ins Ausland, 27 Personen wurden festgenommen und konnten grausamer Missbrauchshandlungen überführt werden. Insgesamt 439 Tatverdächtige wurden identifiziert, die Ermittlungen dauern bis zum heutigen Tage an.
Viel schlimmer jedoch ist die Zahl der betroffenen Opfer, in diesem Fall konnten mindestens 65 Kinder und Jugendliche im Alter von unter ein bis 17 Jahren zugeordnet werden, das jüngste davon war gerade einmal drei Monate alt. Oftmals ist das Leid der Missbrauchstaten aber noch nicht alles. Von den schweren Übergriffen werden häufig Bilder und Filme aufgenommen, um diese innerhalb der kriminellen Szene auszutauschen, sich gegenseitig anzustacheln und Selbstbestätigung zu
erhalten. Das stellt eine massive Belastung und zusätzliche Verunsicherung für betroffene Kinder und Jugendliche dar.
Parallel nimmt die Verbreitung von Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern über Chats, Messenger und soziale Netzwerke immer weiter zu. Das führt dazu, dass zunehmend auch Kinder und Jugendliche zu Empfängern und Versendern illegaler und verstörender Inhalte werden. Im Jahr 2020 waren 45 Prozent der Täter im Bereich Kinderpornografie Kinder oder Jugendliche (NRW). Im Vergleich zu 2019 ist der Anteil minderjähriger Tatverdächtiger angestiegen – und zwar um mehr als 120 Prozent: von 887 minderjährigen Tatverdächtigen auf 1.969 im Jahr 2020. Für den Rheinisch-Bergischen Kreis lag die Quote 2019 mit 8 Tatverdächtigen unter 18 Jahren bei knapp 50 Prozent, 2020 lag sie mit 4 minderjährigen Tatverdächtigen bei 20 Prozent.
Kinder und Jugendliche teilen kinderpornografische Inhalte meist vollkommen unbedarft. Der Besitz von Kinderpornografie ist genauso strafbar wie der Versuch, kinderpornografische Schriften zu verbreiten oder herzustellen. Die Strafandrohung liegt zwischen einem und zehn Jahren Freiheitsstrafe.
Präventionsmaßnahmen für Eltern und pädagogische Fachkräfte
- Wirken Sie darauf hin, dass Kinder und Jugendliche verantwortungsvoll mit Fotos und Videos umgehen und nicht alles posten.
- Posten Sie selber keine Fotos von Kindern in peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen Situationen, z. B. Nacktbilder oder Bildausschnitte aus dem Intimbereich. Diese Fotos können durch Pädophile für sexuelle Zwecke missbraucht werden und in einschlägigen Foren veröffentlicht werden.
- Immer mehr Minderjährige schicken eigene Fotos in Badehose, Bikini oder Unterwäsche, Oben-ohne-Aufnahmen sowie Nacktbilder bestimmter Körperregionen über die gängigen Messenger-Dienste. Dieses Phänomen wird „Sexting“ genannt. Das Versenden oder Empfangen solcher Bilder kann unter Umständen strafbar sein. Das ist auch zu berücksichtigen, wenn Sie oder Ihre Kinder unaufgefordert ein Nacktbild oder die Darstellung von Geschlechtsteilen von Kindern übersandt bekommen. Weiterhin besteht die Gefahr, dass solche Bilder aus Sensationslust oder anderen Gründen an Unbefugte weitergeleitet werden. Weisen Sie auf diese Gefahren hin und versuchen Sie, ein umsichtiges Vorbild zu sein.
Wenn Sie oder Ihre Kinder auf verdächtige Bilder stoßen, sollten Sie folgendes tun:
- auf keinen Fall teilen oder weitersenden
- Ablehnung ausdrücken
- in der Chatgruppe deutlich machen, dass jedes Versenden eine schwere Straftat ist
- Chat verlassen ( = später nachvollziehbar)
- Datum, Uhrzeit und Quelle (Internetlink oder Versender-ID und Fundort) notieren, dann:
- löschen oder
- Gerät im Flugmodus sofort zur Polizei bringen oder
- Screenshot fertigen, ausdrucken, notfalls anonym als Brief bei der Polizei einwerfen
- Parallel: Inhalt melden
Wichtige Links und Telefonnummern mit Infos und Hilfsangeboten
Hier findet Ihr die Seite der Polizei zum Thementag.
Hier die Beratungs-Seite der Polizei für Opfer von Sexualdelikten.
Es gibt verschiedene Stellen, bei denen man sich melden kann und wo ihr Hilfe bekommt.
Hier die Initiative "Schau hin!" was Dein Kind mit Medien macht.
Hier Hilfe für Kinder und Frauen, die Opfer von Gewalt werden.
Hier Hilfe für Kinder und Jugendliche, die Opfer von sexueller Gewalt werden.
Hier Infos zu rechtswidrigen Inhalten im Internet.
Hier Infos zum Jugendschutz.
Hier zur Nummer gegen Kummer.