So wird die Zeit nach Corona

Wie könnte die Zeit nach Corona aussehen? Zukunftsforscher sind in vielen Bereichen optimistisch.

Schlechte Nachrichten gibt es genug....

... da hat wohl niemand aktuell noch mehr Bedarf. Deshalb konzentrieren wir uns in unserer Reihe "Visionen der Zeit nach Corona" auf die (tatsächlich auch großteils) positiven Prognosen der Zukunftsforschung.

Wir haben Texte verschiedener Zukunftsforscher gelesen und mit einigen gesprochen. Das komplette Interview mit Tristan Horx vom Zukunftsinstitut findet ihr auf dieser Seite.

Wir gehen anders miteinander um

Schon jetzt zeichnet sich das ab: Weil wir uns nicht mehr ganz selbstverständlich treffen können, telefonieren wir mehr, "sehen" uns in Videochats, reden intensiver und bewusster miteinander. Der ein oder andere nimmt wahr, dass wir wieder höflicher miteinander sind. Wissenschaftler sagen, das liegt auch an der erzwungenen...

Entschleunigung

Was bisher nur einige in irgendwelchen Kursen oder Meditationen zu Hause probiert haben, führen wir plötzlich kollektiv erzwungermaßen alle durch: Entschleunigung. Die Welt hat im Shutdown eine Vollbremsung hingelegt. Zukunftsforscher Matthias Horx sagt, sie war bisher "überhitzt". Seiner Ansicht nach wird sie sich ändern, und wir mit ihr. Andere Dinge werden uns wichtig. "Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult." (Horx).

Plötzlich digital

Nachdem Deutschland die Digitalisierung jahrelang verpennt hat, werden wir jetzt plötzlich alle gezwungen, uns damit auseinanderzusetzen, denn vor allem im Homeoffice geht nichts ohne digitale Tools. Wer sich bis jetzt nicht damit befasst hatte, musste es innerhalb weniger Tage nachholen. Und ebenso plötzlich merken viele: Digitales Arbeiten hat große Vorteile. Und Videokonferenzen sind bequemer als für Meetings quer durch Deutschland zu reisen.

Und die Wirtschaft?

Zugegeben, da ist es schwierig, Optimismus zu verbreiten. Viele Unternehmen könnten die Krise nicht überstehen. Die Wirtschaft als Ganzes aber, da sind sich Experten mehr oder weniger einig, wird sich wieder erholen. Arbeitsplätze werden in der Krise wegfallen, neue werden nach der Krise entstehen. Verschiedene Forscher glauben, es wird eine Anpassung stattfinden. Und die Wirtschaft der Zukunft wird robuster sein, was solche Krisen angeht.

Im Idealfall gebe es keine komplette Abkehr von der Globalisierung. Aber man werde aus der Krise lernen: Bestimmte Dinge sollten hierzulande gelagert sein, vielleicht sogar wieder mehr hier produziert werden, um fatale Abhängigkeiten zu vermeiden, wie wir sie aktuell bei Medikamenten, Autoteilen oder medizinischer Ausrüstung erleben.

Muss Merkel doch nicht mehr weg?

Wer eine "Merkel-muss-weg"-Demo organisieren will, muss schon jetzt vermutlich mit wenig Teilnehmern rechnen. In Krisen ist Sehnsucht nach Menschen da, die das Ruder übernehmen. Schon jetzt sind wir froh, dass unsere Regierung - obwohl es echt schwierig ist, richtige Entscheidungen zu treffen - klarere Strategien zeigt, als das Hin- und Her eines Trump oder eines Johnson. Das Schimpfen über "Altparteien" und Politikverdrossenheit wird es in der Zeit nach Corona nicht mehr geben, sagen Zukunftsforscher. Und vielleicht verlieren auch Populisten in Deutschland an Bedeutung, die außer dem üblichen Gemecker nichts zur Sache beizutragen haben.

© Brigitte Mackscheidt
© Brigitte Mackscheidt
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